Middelkerca auf der Insel Testerep (1218 bis 1875)
Middelkerke liegt auf der früheren Insel Testerep, die im Mittelalter mit dem Festland verwuchs.
- Middelkerca (1218): Middelkerke wird 1218 erstmals als Middelkerca erwähnt, weil es in der Mitte der langgestreckten Küsteninsel Testerep lag.
- Keine Insel mehr: die breite Testerep-Rinne zwischen Insel und Festland wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bei Nieuwendamme abgedämmt und eingepoldert.
- Eine eigene Pfarrei (1293): 1293 wurde Middelkerke eine selbstständige Pfarrei; 1334 zerstörten Überschwemmungen das Dorf.
- Lombardsijde, eine verschwundene Stadt: das nahe Lombardsijde, zuerst Yde genannt, wurde 1252 als Stadt erwähnt, und sein Wappen ist noch am Rathaus von Brügge zu sehen; 1413 wurde es an Nieuwpoort verkauft und verlor seine Stadtrechte.
- Römisches Salz: in Leffinge wurde in römischer Zeit Salz gewonnen, indem man Meerwasser verdunsten ließ.
- Krieg um 1600: in den Religionskriegen wurde die Kirche teilweise zerstört, und das Dorf litt unter der Schlacht bei Nieuwpoort (1600) und der Belagerung von Ostende (1601 bis 1604).
- Ein Fischerdorf: in den folgenden Jahrhunderten war Middelkerke ein kleines Fischerdorf am Graningatevliet.
Vom Fischerdorf zum Seebad (1875 bis 1914)
Ab 1875 wuchs am Meer ein mondänes Seebad, getrennt vom alten Dorf.
- Eine Badegesellschaft (1876): 1876 wurde in Brüssel die Société Anonyme des Bains et des Dunes de Middelkerke et de Westende gegründet, die unter anderem das Hotel de la Digue baute.
- Die erste Vizinalbahn Belgiens (1885): 1885 fuhr die erste Vizinalbahnlinie Belgiens, eine Dampfstraßenbahn aus Ostende, durch Middelkerke; 1897 folgte die erste elektrische Straßenbahn an der Küste, die Vorläuferin der Kusttram.
- Das erste Casino (1891): 1891 entstand ein hölzernes Casino, und 1914 öffnete ein neues Casino.
- Der Boulevard (1900): um 1900 wurde der Boulevard mit Villen angelegt; so entstand Middelkerke-Bad neben dem alten Middelkerke-Dorf.
- Der Dronkenput: Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein rundes Wasserreservoir aus Stahlbeton gebaut, das vom Grundwasser schief nach oben gedrückt wurde; dieser Dronkenput, der betrunkene Brunnen, ist heute eine Kuriosität.
- Villa Cogels und Villa Doris: die Villen Cogels und Doris auf dem Deich sind die letzten Reste der Bebauung der Belle Époque.
Zwei Weltkriege und Wiederaufbau
Wegen der Lage direkt an der Yserfront wurde Middelkerke im Ersten Weltkrieg schwer getroffen.
- An der Yserfront: im Ersten Weltkrieg lag Middelkerke ganz in der Nähe der Yserfront; das Dorf wurde geräumt und der Kirchturm gesprengt.
- Alles beschädigt: bei der Befreiung 1918 waren alle Häuser von Middelkerke beschädigt.
- Sint-Willibrorduskerk: die Sint-Willibrorduskerk, deren Turm noch aus dem 17. Jahrhundert stammte, wurde in den zwanziger Jahren wiederaufgebaut und Anfang der dreißiger Jahre um einen zweiten Turm erweitert.
- Gemeindehaus (1924): das Gemeindehaus wurde 1924 und 1925 gebaut und steht seit 2002 unter Denkmalschutz.
- Apartments und Atlantikwall: in den dreißiger Jahren entstanden die ersten Apartmenthäuser; im Zweiten Weltkrieg wurde hier der Atlantikwall gebaut, doch die Schäden blieben begrenzt.

Massentourismus, Casino und Comicgemeinde
Nach dem Krieg wurde Middelkerke ein beliebtes Seebad für ein breites Publikum, mit einem Casino und Comicfiguren als Blickfang.
- Massentourismus: ab den fünfziger Jahren setzte der Massentourismus ein, und viele Apartmenthäuser entstanden auf dem Deich.
Casino SILT (2024): das heutige, vierte Casino mit Hotel, SILT, öffnete 2024 auf dem Deich gegenüber dem Epernayplein.- Comicgemeinde: Middelkerke veranstaltet jedes Jahr ein Comicfestival, und auf dem Deich stehen Figuren bekannter Comichelden wie Jommeke, Nero, Kiekeboe, Lucky Luke, Spirou und Suske und Wiske.
Warandedünen: zwischen Middelkerke und Westende liegen die Warandedünen, ein Naturgebiet mit besonderen Pflanzen und Tieren. Warande-Turm: vom Warande-Turm blicken Sie über die Dünen.

